Saturday, November 24, 2007

Dicke

Ich bin gefragt worden, ob ich Dicke nicht mag. Natürlich mag ich Dicke nicht. Vor allem, wenn sie ihr Dicksein mit den Drüsen oder Veranlagung begründen und behaupten sie würden soooo wenig essen, nehmen schon vom hinsehen zu. Im Ländle sagt man " 'sch iss halt so g'worre." Oder wenn sie auch noch dazu stehen und über Schlanke lästern.
Dicksein ist Charaktersache.
Ich hatte mal eine Brigitte oder Freundin, da gab es eine Liste mit Fragen die man seinem Partner schon immer mal stellen wollte und dies nun auch abwechselnd tun sollte. Ich wählte zuerst die Frage: „Wären 10 Kilo Übergewicht bei mir ein Trennungsgrund für Dich?“ Mein Partner sagte prompt und ganz klar „Ja!“ Ich gab noch zu bedenken, dass doch die inneren Werte und der Charakter eigentlich zählen. Aber so richtig ernst meinte ich das nicht.
Nach meiner Rückreise aus Japan, wo es nur 3 Prozent Übergewichtige gibt, wahrscheinlich sind das vor allem die Sumoringer, ist mir auf dem Marktplatz am Bratwurststand beim Anblick der fetten bratwurstfressenden Leute fast schlecht geworden. Ich beschloss das erste Mal zu fasten und 3 Kilo überflüssiges Fett abzubauen.
Eine ehemalige Kollegin, die ein paar Monate mir gegenüber saß, hat meine Vorurteile auch nur bestätigt. Sie hatte ein extrem breites Gesäß, das sie beim Laufen kaum ausbalancieren konnte, saß als Zeichnerin den ganzen Tag am Computer, klagte über Rücken- und Hüftbeschwerden, rannte von einem Arzt zum andern und beschwerte sich, dass die ihr nicht helfen konnten. Fast jeden Tag brachte sie uns eine Rolle Schokokekse mit. Mir gelang es auch nicht immer Nein zu sagen, wenn sie einen ständig anlachen und rufen: „Iß mich, friss mich!“ Als ich 3 Kilo zugenommen hatte, hat sie zum Glück den Arbeitsplatz im Büro gewechselt, wie gesagt und ich habe erstmal gefastet. Unsere Sekretärin dagegen hatte mit ihren 56 Jahren eine Figur wie ein junges Mädchen. Sie sagte wohl auch mal zu ihr, dass sie so gut aussehen würde, wenn sie doch nur 10 Kilo weniger wiegen würde. Aber sie entgegnete nur, dass sie im Vergleich zu ihrer Tochter ein Strich in der Landschaft ist. Naja dann ist es ja nicht so schlimm. Einmal klagte sie, wie schwer eine Kiste Getränke ist. Nicht so schwer, wie ihr Fett das sie ständig unnötig an ihrem Körper mitschleppt.
Das Lied Dicke von Marius Müller Westernhagen und „Meine Frau ist fett“ gehört zu meinen Lieblingsliedern. Mein Aversion Dicken gegenüber kann ich leider nicht ganz verbergen. Wenn ich im Zug auf einem Fensterplatz sitze und am Bahnhof die Leute einsteigen, hoffe ich, dass sich kein Dicker neben mich in die Reihe quetscht, die Arme über die mittlere Armlehne hängt und die Beine breit macht. Manche sind so dreist und setzen sich erst recht neben mich. Wenn es sich ergibt setze ich mich neben dünne junge Mädchen (die haben nur manchmal den Nachteil, dass sie so viel am Telefon zu viel gackern). Ich vermute meine Vorurteile wurden mir bereits zum Verhängnis, ich habe so wahrscheinlich auch meine Kündigung durch den dicken Herrn Pfannkuch (siehe Blog vom 23.07.) provoziert.
Ich wollte mich ändern, toleranter werden. Ein Aushilfsjob im Fitness-Studio im Hypoxiclub kam mir da gerade recht. Meine Aufgabe war Frauen und auch Männer mit Gewichtsproblemen besonders im Gesäßbereich also mit „Reiterhosen“ in eine Gummischürze und dann in eine Unterdruckkammer zu helfen. Während sie 30 min darin auf einem Ergometer saßen und radfuhren (Infos unter http://www.hypoxi.net/) musste ich mit ihnen nett plaudern und ich fing an sie zu mögen. In Abständen musste ich sie messen und wiegen, Erfolg stellte sich selten ein, obwohl sie außerdem Geld für den Slimclub bezahlten und wertvolle Ernährungstips erhielten, Fitnesstraining machten. Eines Tages sagte, der Kursleiter ganz aufgebracht, heute redet er Tacheles mit den Dicken, die sind träge faul und verfressen. Behaupten sie würden sich an das Ernährungsprogramm halten und nehmen doch nicht ab. Als erstes müssten sie ihren inneren Schweinehund überwinden. Seine Geduld war vorbei, wer innerhalb der nächsten Woche nicht mindestens ein Kilo abgenommen hat, bekommt sein Geld zurück und fliegt raus. Das warf mich in meinem Toleranztraining Wochen zurück.
Also bleibt es dabei:
.....
Dicke schwitzen wie die Schweine
stopfen fressen in sich rin.
......
Dicke ham's auch schwer mit Frauen
denn Dicke sind nicht angesagt.
D'rum müssen Dicke auch Karriere machen
mit Kohle ist man auch als Dicker gefragt.

Thursday, November 22, 2007

BB (Beck und Bahnstreik)

Letzten Freitag war ich das erste Mal vom Bahnstreik betroffen. Es fielen alle ICE von Frankfurt Richtung Dresden aus. Die Auskunft bot mir neben Verbindungen mit 4 Mal umsteigen nur eine akzeptable Verbindung über Kassel, eimal umsteigen und nur eine Stunde längere Fahrzeit als sonst an. Dazu mußte ich etwas früher als sonst meine Baustelle verlassen. Im Zug erfuhr ich, dass mein Anschluß in Kassel auch gestrichen wurde. So lernte ich die zuverlässige private Cantusbahn zwischen Fulda und Bebra kennen. Zwischendurch verbrachte ich noch eine Stunde in der Bahnhofskneipe in Bebra, sie hatte das Niveau einer Mitropa-Gaststätte. Aber auf dem Bahnsteig war es einfach zu kalt zum Warten und auf dem Bahnhof wurden sämtliche Serviceeinrichtungen von der DB eingespart. In der vollgestopften Cantusbahn von Bebra nach Eisenach gab ein Mitfahrer die Meldung bekannt, dass der Zug ab Eisenach auch noch gestrichen wurde. Mit einer Ersatzbahn kam ich dann doch endlich an. Naja so schlimm war es doch nicht für mich, es war nur die doppelte Fahrzeit, bin weder erfroren oder verhungert. Ich werde auch weiter mit der Bahn fahren, zumindest solange mein Bahncard 100 gilt (oder gültet oder gültig ist). Aber ich denke die Bahn verliert auf die Art Kunden. Der Schaden den die Lokführer der DB und somit ja auch sich selbst zu ist wahrscheinlich riesig und wird mich irgendwann mal wieder mit einer Preiserhöhung treffen.

Jedenfalls als ich endlich zu Hause war, habe ich wie fast immer als erstes unser Regionalfernsehen SALVE-TV eingeschaltet. Die machen täglich eine Stunde Programm, die dann den ganzen Tag läuft. Man sieht dann immer mal bekannte Gesichter aus Weimar, erfährt was am Wochenende los sein wird und was in letzter Zeit lief. Die Werbung muss man natürlich ertragen können oder solange aufs Klo gehen, obwohl man da auch ganz witzige Spots verpassen könnte. Letzten Freitag schalte ich ein und es läuft ein Portrait von Beck, einem alten Bekannten, dem Mann ohne Vornamen, was auch verständlich ist, wenn man Detlef heißt. Er wurde als berühmter Cartoonist vorgestellt, der 5 Jahre in Weimar gelebt hat. Ich sehe schon die vielen Gedenktafeln in der Brennerstraße "Hier wohnte Beck" an der Katholischen Kirche "Diesen Baum pflanzte Beck zu seiner Hochzeit" (Ach nee, der ist ja eingegangen und die Ehe wurde auch geschieden), am Kasseturm "Hier soff Beck", der letzte Zeitungskiosk am Theaterplatz aus dem er Zeitungen verkaufte sollte unter Denkmalschutz gestellt werden. Jedenfalls habe ich mich gefreut ihn im Lokalfernsehen zu sehen. Ich war wahrscheinlich die einzigste Zuschauerin, zumindest hat erstmal niemand angerufen als sein Cartoon verschenkt werden sollte. Ich hätte ihn ja gewollt, aber hab mich nicht getraut anzurufen. Nachdem die Moderatorin einige Minuten mit Gequatsche überbrücken mußte und endlich jemand angerufen hat, habe ich gehört dass der Ton vom Anrufer doch nicht übertragen wird. Als derjenige zu blöd war die Preisfrage zu beantworten, ging ich doch mal los mein schnurloses Telefon zu suchen, dann hatte ich es endlich, aber es war zu spät. Es gab tatsächlich mindestens drei Zuschauer. Tja schade, aber ich habe ja schon ein frühes Witzbild von ihm.
Jedenfalls schaue ich mir seitdem immer wenn es regnet seinen Schnee auf http://www.schneeschnee.de/ an (es hat die ganze Woche hier geregnet).
Gestern war das drin:




Was will er mit seinen Bildern sagen? Eigentlich will er damit garnichts sagen, sie sollen einfach nur komisch sein. Vielleicht will er auch nur sagen, dass das Leben komisch ist, sagt er. Okay Bahnstreik ist auch komisch.

...und was ist eigentlich ein Triebwagen?

Wednesday, November 07, 2007

Besuch aus Berlin

Heute kommt die Bundesregierung ins Bundesverfassungsgericht. Die Polizei paßt auch gut auf unsere Baustelle auf. Vom Dach hat man einfach einen zu guten Blick ins Gebäude. Da wird diese Nacht bestimmt mal kein Kupfer geklaut.

Innere Werte

Für die meisten Männer sind 10 Kilo Übergewicht bei der Partnerin ein Trennungsgrund. Bei anderen zählen noch die inneren Werte.

Tuesday, October 30, 2007

Am Kafkamuseum

Ich weiß auch nicht warum die zwei Stehpinkler vorm dem Kafkamuseum in Prag stehen.




Werden dort die tschechischen Schüler aufgeklärt? Beim Pinkeln im Stehen bekommt man nasse Füsse, oder wie?


Monday, October 01, 2007

Kolumba


Vor einer Woche waren wir seit langem mal wieder in Köln. Im frisch eröffneten "Kolumba" dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln haben wir den großen Buddha (?) gesehen.

Wednesday, September 05, 2007

J.W.G.

Goethe war natürlich auch schon hier.

Gleich um die Ecke von meiner Baustelle, im Karstadt-Sport, da wo auch im Dachgeschoss mein Fitness-Studio ist, hat er gewohnt.

Ist das nicht ein Zufall?

Monday, August 20, 2007

Uhren Teil 2


Jemand hat zugegeben, dass sie in Besitz einer sogenannte Bumsuhr ist und mir ein Foto zur Verfügung gestellt.

Wie sie dazu gekommen ist, werden wir nie erfahren. Schwamm drüber, es ist ja schon so lange her, war im vorigen Jahrtausend.

Monday, August 13, 2007

ML Teil 2 oder Griechisch für Anfänger

Letzten Freitag sollte ja Bahnstreik sein. Deshalb wollte ich erst in Karlsruhe bleiben. Frank wollte auch kommen, da es bei ihm dann doch nicht ging und der Bahn das Streiken verboten wurde bin ich doch nach Weimar gefahren. So habe ich zufällig die Frau wieder getroffen, die damals im März meinen wilden Sitznachbarn gebremst hat (Siehe ML Teil 1). Sie saß auch schon im Zug von Karlsruhe nach Frankfurt-Flughafen und ärgerte sich genauso als der Zug pünktlich war bis kurz vor der Einfahrt, dort blieb er 10 Minuten im Tunnel stehen. Per Durchsage wurde um Verständnis gebeten, dass der Zug leider nicht einfahren kann, weil das Gleis noch belegt ist aber unser Anschlußzug nach Dresden auf uns wartet. Es kam mir schon sehr komisch vor, als auf dem Nachbargleis ein Zug aus dem Bahnhof Richtung Dresden fuhr. Eigentlich war ich mir sicher, dass er mal wieder pünktlich abfuhr. Aber unser Zugbegleiter meinte, wenn durchgesagt wird, dass der Zug wartet, dann wartet er auch. Mann, war der naiv. Der scheint noch nicht lange bei der Bahn zu sein. Natürlich war er weg und ich mußte wieder 1 Stunde in der DB-Lounge rumlümmeln.


Wir ärgerten uns beide kurz darüber und dann erzählte sie mir, wie sie sich vorstellt mal bei Herrn Mehdorn zu rächen. Er wäre in einer Gasstätte bestellt sich eine Flasche Champagner und sie bringt ihm Wasser, er beschwert sich und sie sagt dann: "Naja dafür haben Sie ja 50% Rabatt bekommen, weil sie ihn schon 3 Tage im Voraus bezahlt haben."
...und Sie hat mir das Wort nochmal gesagt, mit das man weniger netten Griechen (von denen es aber nicht so viele geben soll) bei Bedarf sagen kann: Malakas

Tuesday, August 07, 2007

McClean

Meine Schwester hat letzte Woche ihren schönen deutschen Mädchennamen gegen Mc Clean eingetauscht. Ihre e-mail-adresse hat sie sofort geändert, die Webseite noch nicht.
Wenn man Mc Clean googelt, kommen bis jetzt nur ca. 1000 Einträge zu Reinigungsunternehmen, Drogenberatungen und Lyrik über Bahnhofsklos. Toll!
Da bleibe ich lieber bei meinem Namen: Dorn wie Stachel

Open Air

Innerhalb von einer Woche habe ich 4 Filme open air gesehen.
Am vorletzten Freitag war ich hinter dem Monami in Weimar bei "Muxmäuschenstill". Das erste Mal hatte ich den Film in Darmstadt gesehen. Damals traute ich mich nach der Vorstellung nicht bei Rot über die Ampel zu gehen, ich hatte Angst von Gerd Grabowski bestraft zu werden.

Samstag sahen wir "Früstück bei Tiffany" im Strandkino vor der Anna-Amalia-Bibliothek. Dort konnte man in bequemen Liegestühlen lümmeln. Heute werden sie verkauft, ich hoffe Frank besorgt mir zwei.

Am Dienstag war ich am Schloß Gottesaue in Karlsruhe. Ich hatte mich mit meinen Nachbarinnen verabredet. Zwischen den ungefähr 2000 Zuschauern habe ich sie aber leider nicht gefunden. Ich fand aber noch einen Sitzplatz gleich hinter der Liegefläche.

Samstag habe ich "Das Parfum" zum zweiten Mal im Weimarhallenpark gesehen. Naja, die Leinwand ist dort ziemlich klein und die Wirkung deshalb nicht so stark. Aber nächsten Samstag kommt der Film in Karlsruhe im OpenAirKino. Dort ist die Leinwand riesig und wenn es eine warme Sommernacht wird, könnte ich mir gut vorstellen, dass das Parfum in der Schlußszene auch das Publikum auf der Liegewiese animiert.

Monday, July 30, 2007

Uhren

Mein letzter Geburtstag war einer der vielen verregneten Tage. Eigentlich wollte ich mit ein paar Freunden Boule spielen. Als wir unser Picknick aufgebaut hatten, fing es an zu regnen. Wir zogen unter die Durchfahrt vom Schloss Belvedere und plauderten über längst vergangene Zeiten, erzählten uns Geschichten die wir vor über 18 Jahren erlebten.

Da komme ich mir manchmal vor wie mein Opa. Der erzählte mir auch oft genauso alte Geschichten aus dem Krieg, das waren für mich längst vergangene Zeiten. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er auf dem Rücken lag, er hatte eine Schlafmütze auf, das Gebiss stand noch auf dem Nachttischschränkchen im Glas, er schaute an die Decke und erzählte dabei. Meine Oma hat in der Zeit den Ofen in der Küche angeheizt. Einmal erzählte er mir, dass er (wahrscheinlich im ersten) Weltkrieg Gefangene bewachen mußte. Einer schenkte ihm eine goldene Taschenuhr und er ließ ihn laufen. Ein paar Tage später hatte er ihn wieder als Gefangenen und die Uhr hat er irgendwann mir geschenkt.

Und wir konnten uns noch sehr lebhaft an die Zeit erinnern, als unsere Eltern neonfarbene Strickpullover mit Puffärmeln trugen. Dazu trug man in der Uhrenstadt Ruhla und Umgebung farblich passende große runde Uhren. Die chicen Gehäuse aus transparentem Plastik kamen aus dem Westen, im Uhrenkombinat Ruhla wurden die Uhrenwerke eingesetzt, dann kamen sie wieder zurück zu Quelle und Tchibo. Nur ein paar Uhren blieben zurück, die bekamen die Sekretärinnen der Betriebsdirektoren, Pateichefs und Abteilungsleiter für außerordentliche Verdienste. Und ich dachte damals, sie wurden aufgrund ihrer Größe Bumsuhren genannt.
Hätte ich mich damals nicht so zickig angestellt, auf der Feier der Kombinatsleitung in unserem Jugenklub, die wir mit einem kleinen Kulturprogramm ausgestalteten, einer Modenschau mit selbsgenähten Klamotten für den ganzen Tag und hätte ich mich wie die andern Mädchen zum Schluss auf Anregung des Jugenklubleiters im durchsichtigen Flatterhemd, bei Beleuchtung von hinten zu "Je t'aime" auf dem Barhocker gerekelt und mich anschließend mal kurz bei einem der fetten alten Bonsen auf den Schoß gesetzt, hätte ich auch so eine schöne große runde knallbunte Uhr aus Plastik bekommen. Aber ich habe keine, noch nicht mal ein Foto habe ich von so einer Uhr.

Als die Mode vorbei war bekam ich mal ein Plagiat aus Plaste geschenkt, passend zur FDJ-Bluse als Teilnehmer am Jugendfestival.

Monday, July 23, 2007

Bloggen

Kann man eine Schreibblockade haben, wenn man keinen Sex hat? Es gibt da jemand der das bejaht. Ich weiß es nicht, muss ich direkt mal beobachten. Aber eigentlich bin ich nur gehemmt, weil ich jetzt merke, dass es nicht so einfach ist. Meine Freunde trauen sich schon kaum was zu erzählen, weil sie befürchten, dass ich es in den Blog schreibe. Ich werde meine Posts nochmal durchgehen und selbst zensieren, die ständigen Prozesse, wie sie Dieter Bohlen führt, möchte ich nicht am Hals haben.

Aber über Herrn Pfannkuch könnte ich mal was schreiben, riskiere ich mal. Das war mal mein Chef. Herbert Pfannkuch war ein kleiner dicker Mann aus dem Schwabenland. Im Gesicht drückten die Backen, so dass er eine sehr undeutliche Aussprache hatte, dazu noch schwäbisches Vokabular anwand. Einmal sprachen wir im Beisein seiner Sekretärin, die er regelmäßig anschrie, über Frauen im Beruf.
Er sagt: "I sch(l)affe gern mit Frauen" Ich war mir nicht sicher ob das L wirklich ein L sein sollte oder ob es wegen seinen fetten Backen raussprudelte. Wir fragten nochmal mit entsetzten Blick nach. Als er versuchte den Satz deutlich auszusprechen, merkten wir, er meinte: "Ich arbeite gerne mit Frauen." Der Schwabe sagt halt: "I schaffe..."

Ich bewarb mich auf die Annonce: Renommiertes Unternehmen sucht Architekt oder Bauingenieur für anspruchsvolle Aufgaben, bewerben sie sich unter Chiffre.... und wurde zum Gespräch geladen, in eine Villa in Jena. Herr Pfannkuch war Geschäftsführer einer Bauentwicklungsgesellschaft, Tochter einer Gesellschaft, die wiederum Tochter einer Stiftung ist, mit 50% Anteilen aus einer GmbH. Bisher haben die den eigenen Wohnungsbestand saniert und ein paar Kitschbuden gebaut. Ich sollte alle Freiheiten haben, so eine Siedlung wie in Stammheim wollte er auch mal bauen und einen Architekturpreis holen. Ich dachte okay, probier ich mal aus und sagte zu. Als erstes wurde ich auf einer Feier am Planetarium allen möglichen Vortstandsleuten von der Stiftung und sämtlichen Tochter- und Partnergesellschaften als seine "rechte Hand" vorgestellt. Das war eigentlich so nicht abgemacht, ich wußte ja nicht was seine rechte Hand so macht. Vor meinen künftigen Kollegen hat er mich gewarnt, die würden mobben. Nach ein paar Tagen habe ich aber festgestellt, dass meine Kollegen sehr nett sind und Herr Pfannkuch ein ekelhafter Tyrann war. Als ich Zweifel an seiner Kompetenz als Geschäftsführer hatte, erkundigte ich mich mal bei meinen Kollegen, was unser Chef eigentlich gelernt hat. Ein Kollege sagte mir, dass er den ehrenwerten Beruf eines Bäckers gelernt hat. Ich erhielt einen kleinen Einblick in seine Immobiliengeschäfte und den Jenaer Klüngel, wie ihn ein Günther Walraff undercover nicht besser bekommen würde. Das meiste regelte er ihm Golfclub und auf der Ehrentribüne im Ernst-Abbe-Stadion. Gebaut wurde ohne Genehmigung. Bei dem Dachausbau einer Villa habe ich ihm empfohlen einen Bauantrag zu stellen. Schreiend erklärte er mir, dass ich viel zu kompliziert bin.


Wie er den Firmen bis zu 20% Nachlass rausquetschte, sie zu Wohltätigkeiten bewegte mit denen er sich dann in der Zeitung ablichten ließ und er auf der Baustelle rumtobte, die Firmen anschrie, war sensationell. Dabei wurde er so rot, das ich befürchtete gleich spritzt die Marmelade aus dem Pfannkuch. Einmal durfte ich als Quotenfrau zu einem Essen mit seinen Geschäftsfreunden mitkommen, alles kinderlose Männer, die sich über Zigarren, große Autos unterhielten. Ich fühlte mich deplaziert, bis sie sich über die Jugend heutzutage und das schlechte Ergebnis der Pisastudie aufregten. Jetzt konnte ich endlich mitreden, ich sagte was soll auch anderes bei rauskommen, in einem Land in dem die Banken blinken und die Toiletten in der Schulen stinken. In dem Moment beschloss mein Chef wahrscheinlich meine Kündigung. Ich wurde dann noch etwas auf die Probe gestellt, getestet wie lange ich sein Geschrei über schlechte Bauleitung und Dreck auf der Baustelle aushalte ohne zu heulen oder selbst zu schreien. Als ich dann allmählich in Gewissenskonflikte kam und schon nachts um 3 aufwachte und darüber nachdachte, wie so ein Typ auf diesen Posten kommt und ob ich mit dem jemals klarkommen könnte, habe ich in der Zeitung gelesen: "Renommiertes Unternehmen sucht Bauingenieur für anspruchsvolle Aufgaben, bewerben sie sich unter Chiffre.... ". Am nächsten Tag wurde ich aus der Welt der Investoren wieder ausgeschlossen. Wenn er nicht gestorben ist, dann schafft er noch heute im Oschte.

Ich traf nach ein paar Wochen eine ehemalige Kollegin, die mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählte, dass sie noch nicht in wie geplant in die Villa gezogen sind, es gab erstmal einen Baustop, weil keine Genehmigung beantragt wurde. Außerdem ist bei seiner Baustelle das Gerüst umgekippt. Ist dem Herrn Pfannkuch da etwa ein Fehler in der Bauleitung unterlaufen?


Wenn ich daran zurückdenke bin ich richtig glücklich wieder in einem Architekturbüro zu sein und einen kompetenden Chef zu haben.

Tuesday, July 17, 2007

Schreibblockade

Hab lange nichts geschrieben. Was soll ich auch schreiben. Die interessantesten Dinge, die mir auf der Baustelle und mit den Bauherren passieren sind Internas und darf ich nicht preisgeben.
Franks 50.Geburtstag haben wir in den Alpen verbracht. Da sind wir halt den Berg hoch und wieder runter, Wetter war schön, was soll man da noch schreiben.
TFF in Rudolstadt war wieder toll, das muss man aber auch selbst erlebt haben. Rainald Grebe war der lustigste, hab mir die CD "Volksmusik" gekauft. Ich kann sie Euch ja mal borgen. Dass ich sie auch brennen würde, sollte ich hier auch nicht schreiben.
Zur bevorstehenden Hochzeit meiner jüngeren Schwester in Hamburg mit einem Mann der 6 Jahre älter ist, als mein Vater gebe ich hier auch keinen Kommentar ab.

Friday, June 22, 2007

Bauhäusle

In Karlsruhe feiert man zur Zeit das "Brigande Feschd", mein Frühstück hole ich meistens in der Badischen Backstub' und von Frau H.-S. von der Bank werde ich fast jeden Freitag gefragt, ob ich am Wochenende wieder "in' Oschte" fahre. Wenn ich in Abständen zu den Empfangsdamen der Bank gehe, denke ich oft an Norbi aus Düsseldorf, der im Oktober '89 das erste Mal in der DDR bei uns zu Besuch war, der u.a. wissen wollte, ob man im Osten mehr Sex in der Woche als im Westen hatte, wie es die Statistiken schrieben und wir ihm das nur bestätigen konnten, mit der Erklärung, dass wir ja sonst nichts hatten. Daraufhin wollte er gerne übersiedeln. Als wir ihn fragten ob es in Stuttgart, wo er Architektur studierte keine hübschen Mädchen gibt, sagte er: "Doch schon, aber wenn die den Mund aufmachen, ist die Erotik weg."

Hier wohnte Norbert, im "Bauhäusle" in Stuttgart. Ein Selbstbauprojekt mit einem Prof. Huber. Vor fast 20 Jahren ware ich das erste Mal dort. Gestern habe ich es mir mal wieder angesehen. Eine Dokumentation über das Projekt war lange mein Lieblingsbuch, bis ich es vor Jahren an so einen Dödel verborgt habe der es mir nie zurück gegeben hat. Er kann es einfach nicht mehr finden und mir auch kein neues besorgen. Das versprochene Schadensersatzbuch habe ich auch nie bekommen. Jetzt wechselt er die Straßenseite oder kratzt die Kurve, wenn er mich kommen sieht.
Lieber Norbert Haustein, falls Du mal Deinen Namen bei google eingibst und zufällig auf diesen Blog kommst, dann kann ich Dich gleich mal fragen, ob Du noch ein Exemplar vom "Bauhäusle" für mich hast, ich kann Dir dafür auch ein Buch über die Genossenschaftssiedlung an der Großen Sackpfeife in Weimar schicken.

Monday, June 04, 2007

Toscana



Ich war mit Frank eine Woche in der Toscana. Für ihn war es das erste Mal überhaupt, für mich war es das erste Mal im Mai zur Mohnblüte. Wir haben in der Zeit fast alles abexkursiert, was ich in mehreren Jahren gesehen habe. Sind 3000 km gefahren, haben ca. 700 digitale Bilder geschossen, mehrere Kuppeln und Türme bestiegen, den schiefen Turm in Pisa ohne Touristen gesehen, in Mantova und Florenz im Parkverbot im Zentrum den Golf abgestellt. Kein Polizist oder Polizistin hatte Zeit uns abzuschleppen, sie haben ihren 155. Jahrestag gefeiert.

Wir waren natürlich auch in Siena, San Gimignano, Montalcino, Arezzo, Volterra, Monteriggioni, Pienza und einen Tag auf Elba.....

War Che Guevara auch mal hier?



Thursday, May 10, 2007

Knäcke mit Nutella


Das ist der spektakulärste Neubau in Karlsruhe, die neue Mensa der FH. Angeblich ist dem Architekten die Idee gekommen, als er von zwei Scheiben Knäckebrot, dick mit Nutella bestrichen, die oberste abhob und sich zwischen den beiden fadenartige Gespinste zogen.

Monday, May 07, 2007

Montag um 10 in Weimar



Ich glaube ich bin noch nie um diese Zeit in der Innenstadt von Weimar gewesen. Heute hatte ich einen Arzttermin und dann noch Zeit für einen Kaffe am Theaterplatz bis mein nächster Zug fuhr. Um diese Zeit schlürften fast nur Rentner mit beigen Jacken durch die Stadt. Doch dann kam quasi aus dem Nichts flink und kichernd eine große Gruppe Japaner und landeten natürlich vor Goethe und Schiller.

War das der Gegenbesuch zur Bürgerreise aus Weimar nach Kamakura im vorigen Jahr?


Thursday, May 03, 2007

Rohlingspindel

Vor fast zwei Jahren war ich bei Max Goldt in der Lesung und habe mich über seine Ausführungen zu dem schönen deutschen Wort Rohlingspindel halb tod gelacht. Den Text habe ich dann in keinem seiner Bücher gefunden. Über google bin ich nur auf den "Wuerzblog" gekommen, der Blogger hat von einer Lesung in Würzburg berichtet. Ihn habe ich gefragt, ob er wüßte wo man den Text findet. Anstatt einem kurzen Nein, hat er mir eine ausführliche Antwort mit vielen Tips gegeben, die mich aber auch nicht weiter gebracht haben. Einer davon war "Gib doch mal bei Google Rohlingspindel ein". Wenn ich das in Abständen gemacht habe, bin ich auf meine Frage in dem Blog gekommen. Nun hat die Sucherei ein Ende, ich habe das neue Buch "QQ". Unter dem Titel "So machen es die klugen Sprachen" beschreibt er den "reizvollen Fremdling" welchen man findet "im sprachlichen Milieu der Unterhaltungselektronik aber, wo sonst nur in augenblauhauender Typographie eisige Abkürzungen und Zahlenkombinationen, japanische Herstellernamen und englische Brocken zusammengeklumpatscht werden". In der Lesung erzählte Max Goldt noch von dem Typ, dessen Mutter ihm immer Kartoffelsalat in der Rohlingspindel für die Reise einpackt. Auch ich habe meine leeren 50er-Rohlingspindeln bereits für die Aufbewahrung von Wäscheklammern, Zuckertütchen genutzt und hätte auch noch für ein paar 25er- oder 100er-Spindeln praktische Verwendung.

Wednesday, May 02, 2007

Am Fenster



Von einem Leser meines Blog bin ich schon gefragt worden, ob ich überhaupt auch mal arbeite. Natürlich habe ich Stress ohne Ende, zwei Telefone klingeln den ganzen Tag, die Firmen stürmen unser Büro, die Rechnungen und Nachträge stapeln sich und ich habe nur ab und zu Zeit den Blick aus meinem Baucontainer zum Schloßturm zu richten, auf die Terrasse des "Multikulti" zu schauen, die vorbeiziehenden Schulklassen, Anwälte und Richter des Bundesverfassungsgerichtes sowie deren Bewacher zu registrieren. Dass die Bäume inzwischen grün sind habe ich grad so mitbekommen. Meistens höre ich nur den Verkehr rauschen der auf Höhe unserer Container in den Tunnel eintaucht.

Auf jeden Fall ist die Aussicht von meinem Schreibtisch eine der Verbesserungen im Vergleich mit meinem alten Arbeitsplatz. Die letzten Monate saß ich in Darmstadt an einem Fensterplatz im Erdgeschoss. Ich konnte 3 Meter weit bis auf die Wand des Hinterhaus schauen. Der Zugang für alle Bewohner des Vorderhauses und die Mitarbeiter der Büros im Hinterhaus ging quasi an meinem Schreibtisch vorbei. Sie konnten dann meist auf meinen konzentrierten Blick in den Computer sehen, manchmal habe ich noch deren Grinsen mitbekommen. So nach und und nach habe ich die Leute kennen gelernt. Manchmal sah ich noch die langen grauen Haare des Puppenspieler vom Kikeriki-Theater vorbeiflattern. In regelmäßigen Abständen kam seine Frau mit so einem kleinen Schoßhündchen vorbei und jetzt kommt die Frau nicht mehr vorbei. Dafür kommt der Puppenspieler mit seinen neuen Puppe, äh Frau und deren zwei kleinen Kindern.

Lange brauchte ich um festzustellen, dass die aufgedonnerte Frau, die früh aus dem Haus ging und nachmittags wieder zurück kam und der lässige blonde langhaarige Mann der so gegen 7 wieder aus dem Haus ging, ein und dieselbe Person waren. Er bzw. sie wohnt in der Einraumwohnung die meine ehem. Chefs vermieten. An einem Morgen als ich um die Ecke ging, kam er grad aus der Tür im chicen Nadelstreifenkostüm und mit hockhackigen spitzen Pumps, stark geschminkt und hat mir die Tür aufgehalten und gewartet bis ich durchging. Eine Operation und das Aufgeben männlicher Anstandsregeln hatte er damals noch vor. Ich hoffte, er würde sich das alles nochmal gut überlegen. Habe aber gehört, dass er inzwischen seine Haare rot gefärbt hat.